« Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt. »

Stefan Zweig

Da Hauns, de Doris, de Viecha und des Vermegn zum Megn


Da Gschinzboch

Maunches Moi is da Gschinzboch aufd Nocht so finsta und ruhig, ois tät im Bochbett a schwoaze Schiefaplottn liegn. Ma heat eam nua gaunz gschmeidig rauschn, a Wengal geht dazua da Wind duach de Kastanienbam. De Krah san schon wegga - nua da Koda, wos eam zuagrennt is, sitzt vuam Bankl, auf dem da Hauns vaschnauft. Ea is gscheckat, vo so Woidhonigfoabn in a gaunz a höls Beige und wia imma isa ihn Hauns nochgrennt, wira außa Haus gaungan is. Des geht seit zwa Joa so, is owa scho recht, weu easchtns hot da Koda jo sunst kan, zweitns geht da Hauns eh sötn auße, seit a nua mea auf de Pensi woat, und drittns bleibta beid Gschäfta eh vo söwa draußn. Meistns gehta eh nua zum Bäcka, muagn schauta wieda vuabei, weu de oide Slavik, wos ian fünfasibzga ghobt hot des Joa, mocht aungeblich ian letztn Tog. Wauna aun de Slavik-Bäckrin denkt, denkta automatisch a aun ia Tochta de Doris, de‘s im Gegnsotz zud meistn Leit Joa fia Joa schofft, dass s‘eam ollaweu no net wuascht is. Vua guad zwanzg Joa isa min Rennradl ihn Gschinzboch entlaung gfoan zum Kamp, ihn Kamp bis zua Donau und de gaunze Donau owe zum Schwoazn Mea. Ea erinnat si ois warats gestan gwesn, wir eam im Rumänischn Sunnenaufgaung auf amoi wüde Hund gjogd hom. Voigas einetredn hota und eana augschrian, bis a Tattera, wos aum Föd goarbeit hot, mit ana Flintn ind Häch gschossn und eam in wockladm Deitsch zuagschrian hot, dassa net so schnö foan soi, daun jogn eam de Hund a net noch. Iagandwie schod, owa zgleich hamlich, dass eam so a Belaunglosigkeit wia des mit da Oidn Slavik jetzt des Highlight voda Wochn stöd. Sowos tättma aunderswo goa net mitkriagn, owa do kummt ma dem net aus: Beim Hoaschneida, beim Wiat und beim Umasteh vua da Gmeinde noch da Woi, do hotas üwaroi gheat und ea is froh, dass as so gsichat was, bevura ia muagn a ruhige Pensi winscht. Oft sitzn um de Zeit da Oide Fleischhauer und sei Frau aum Bangl gegnüba. Da Hauns heat eana daun beim Käwen zua, weu de zwa net stü sei kennan. Owa wos eam beeindruckt is, dauand, ois warats eistudiert, vavoiständign sasi gegnseitig de Sätz. So is‘s heit ungwähnlich stü, nur da Klaung vo Boch und Wind. So laungsaum mischt se auf amoi a hölls Buama-Lochn dazua. Es kummt schnö zuwa. A aufhussads Lochn, dazwischn Quietschn ois bremsat wea. Auf amoi zischt dem Fleischer sei Kotz ums Eck, drei vielleicht zehnjahrige Buama aufd Radln hinta ia, mit Kastanien in d‘Händt. Ana triffts damit im Knack und sie wird gaunz damisch, während s‘ de Buama min Radl umstöln. Se davaungt si und zischt eana davo. „Amoi no noch“, schreit ana und daun: „Aah!“ A Kastanie hot eam fost aum Fuaß troffn. Da Hauns hots mit volla Wucht in Bodn zwischn eana gfetzt. Er steht aufrecht mit seine ans neinzg, mit ana zweitn Kastanie in da Faust, und schaut an nochn aundan ind aufgrissanan Augn. „Und jetzt schleichts eich!“, fauchta. De Buama schaun si kurz au und tretn mit wocklade Fiaß ind Pedal, netamoi ind söwe Richtung hauns o.  

    

Es Brunntoigassl

Fost imma, waun a es Brunntoigassl entlaung zur Bäckrei geht, sitzt da söwe Krah im oidn Nussbam drin. Ma kennt eam leicht aum weißn Fleck, wosa aum linkl Fliagl hot, und da Hauns kennt eam sowieso vo seim Balkon. Letzts Fruajoa no, wauna `s Gassl entlaung und zum Bam zuwegaunga is, is da Krah imma weida aufe gflogn und kuaz bevura zum Bam hikumma is, isa oposcht. Owa da letzte Winta woa vagleichsweis streng, da Hauns hots guad gmant mit de Vicha und da Krah hot si ois schmeckn lossn, wosa eam higlegt hot. Um Pfingstn is ea daun gaunz stoiz mit Zweigal im Schnowe und seina Auntrautn danebn am Balkonglanda glaunt. Sie wora bissl nervös, owa hot iam Schatzl woi vatraut, wias so voam Hauns gsessn san. Ea hot eana aum nächstn Tog beim umadumfliagn gsegn. Wias einaunda do ununterbrochn zuakraht hom, hota si docht, des wirkt wia bei de Fleischa, ois vavoiständigatns a ihre Sätz. Wauna jetzt beim Bam vuabeigeht jednfois, sitzt da Krah natialiach ruhich do und mocht net mea aunstoitn, ois gangat do untn a aundara Krah vuabei. Aum End vom Gassl is a Radlständer und do parkn si akrat de drei depatn Buama ei. Er hots eanare Ötan net dazöd, weu ana is vom Gruawa und den hota in Vadocht, dassa reagirat wia ma heitzutog normal nimma reagiat, waun sei Bua wos augstöd hot. Beim Hamgeh gestan hot de Doris vua da Bäckrei wos ausglodnt. Ea is ia glei zua Haund und se san kuaz aufs Väglfuadan zum Redn kumma, wengam Kerndlzeig wos mit zum Auslodn woa. Daham hot a de Buam scho vagessn ghobt, bis aum spätn Obnd wea aun d‘Tia klopft und an Sta auns Fensta gschmissn hot. Do hota de Gfrasta schwa in Vadocht, dass s’ es eam vagöltn woin. Wira bei de Radlstända aukummt, sans scho üwan Hauptplotz grennt, dea glei nochm Brunntoigassl aufaungt. Duat is a de Slavik-Bäckrei, wos und wias seit ea was imma scho woa. Und es wiad woi a so bleim, weu d‘Doris iwanimmt easchtns, und zweitns hot sa si trennt vua zwa Joa und jetzt hassts a wida so. Wos eam wuascht sei kennt, weu a Naum is a Naum, owa iagandwie is es eam scho recht.
 „Wia imma?“, frogt die Oide Slavik und da Hauns nickt netamoi gscheit, do faungts scho zum Eipockn au: Zwa Kimmeweckerl, de wia mittelbraune Schiffernackl ausschaun und wiaklich volla Kimme san, an Lita Müch und a hoiwats Mischbrot. Wia da Hauns ind Schui gaunga is, hot da gaunz Oide Slavik no glebt. Dea hot de Bockstuabn no a poa Heisa weida ghobt und is imma mit Wagln hin und her zum Gschäft. Maunchmoi hom da Hauns und seine Freind eam aum Schuiweg gsegn, umafian ghoifn und si zum Daunk Kimmeweckerl oder Pizzastangerl aussuachn kenna. Pizzastangerl moga nimma so, a Zeit laung hotas aus Sentimentalität no kauft, eam kummt fua, sie mochns a nimma wias woan. 
 „Is‘s ois?“, frogt de Oide Slavik. De Doris is mittlaweu umakumma und schlicht frische Semmen ei. Seit a poa Tog hots ihre Blonden Hoa in so an Pagenschnitt. De Mutter hots gaunz kuaz und olle jungan Slavikmenscha trogn Zäpf. Je ölter die Frau umso kiaza de Hoar, foit eam auf und daun kummt eam, dass des bei eam eigentlich a aso woa. Ea locht kuaz in Gedaunkn. Owa wia de Oide nomoi „is‘s ois?“ frogt, reißt‘s eam und ea hofft, dass ea d‘Doris net z’depat augspechtlt hot, während sei Gschau wegnd Weckerl und d‘Hoa im Norrnkastl valuan woa, des recht kloa in ihra Richtung gwesn sei diaft. 
 „Ois Guade winsch i eana zua Pensi“, sogt a fost förmlich. Er siezt sie no wie domois ois Bua, und wiras ausgsprochn hot merkt a, dass ia de Winsch goa net recht woan.
 „Wos mochstn du jetzt eigentlich?“, frogts.
 „Nix daweu“, zuckt ea mit de Schuitan.
 De Slavik kummt aus ana Generation, in der ma mit dem Sprichwort „jeder wira wü“ woi no gmant hot: „Lossts eam hoit komisch sei“; wo a Mau, dea mit 58 scho daham is, komisch is fiara Frau, de mit 75 no im Gschäft aushüft. 
 „Zoit di de Post no weida?“, frogts.
 „Telekom“, korrigiert da Hauns und erklärt, dass d‘Obfindung bis zur Pensi reicht.
 De Slavik vaziagt die Mien, woi weu fia si gnua Göd hom ka Grund is, dass ma nix oaweitn geht und frogt: „Wos sogt do dei Mama dazua?“
 „Net ollas“, foat ihr die Doris dazwischen, „geht Miada imma glei wos au!“. Sie legt de Sackerl mitn Brot und d‘Kimmeweckerl aufd Budl und tapst mit ihre laungan Finger so unwillkürlich no amoi drauf, ois woitats sichagehn, dass‘s a guat liegn. 

 

Des Gassl vuam Haus
 
Es Haus vom Hauns is deroat in Haung einebaut, dass ma vom Balkon im easchtn Stock direkt in Woid geh kau. Es dämmat sche laungsaum und ma heat goa kane Vicha mea, nua in Wind in de Bam. Es Bankl aum Balkon hot no sei Voda gmocht. Ea lant si zruck und fosst ihn Beschluss, dassa des moosgriane Glander im Herbst no streicht. Er schaut aum Balkonbodn owe, den ma vua lauta Lab goa nimma sicht. Daun hoita sei Handy auße. Sei Festnetz hota scho ogmödt, a wauns eam lad tau hot, weula sei Lebn laung beid Leit daham Telefon installiert hot. Sei Handynumma hota goa net ins Biachl eitrogn lossn. Vua an Monat is a no sei Klingl hinich wuan, und so hom de Möglichkeitn, eam zum erreichn, linea ognumma mit da Notwendigkeit, dass eam wea kontaktiert. Gestan aufd Nocht hota no ihn Gschinzboch aufezua gschaut und si gwundat, dass a eigantlich goa net was, wora eigentlich entspringt. Ea foat min Finga aum Display auf da Koatn ihn Boch entlaung, teuweis scho duach Uatschaftln, wos a netamoi kennt, und find ihn Uasprung imma no net. Auf amoi sichta wos flattan. A Uhu setzt si in an entferntn Bam. Ea is stü und so heatma imma no nix außam Wind und de Zeit laungsaum vergeh. Do raschlt iagaundwos ind Blattln aum Bodn und zischt wia aufgscheicht davo. Da Koda is außekumma und schaut gaunz aufkrotzt aufs Lab. Da Hauns losst si in sei Bankl foin, krault ihn Koda aum Hois und beobocht ihn Uhu, dea scheinbua a umazua schaut. Daun denkta aun de Rederei in der Bockstuabn und ertoppt si dabei, wira zu de Vicha „gö, es mechts mi“ flüstert. Er wü si wida seim Handy widma, wira aum Fenster a Pumpan heat. Desmoi woas a richtiga Klescha. Ea geht ins Wohnzimma, schaut gegns Liacht und es is wia bfiacht: Des Glos hot tatsächlich an Sprung! „Na woats!“, denkt a si und rauscht owe zur Eigaubgstia. Woascheinlich rennans grod weg, sicha da Gruawa vuan dabei, dea gaunz noch seim depatn Voda kummt - da Easchte beim Depatsei und beim Wegrenna sowieso. Da Hauns rennt de Stiagn owe, de Händt zu Feist boit, ois brächtas üwas Heaz, damit wem wos z‘tah. „Jetzt reichts!“, schreita, greift zur Schnoin und fetzt de Tia auf, ois woitas aus de Schanier reissn. Er mocht an schnön schriat auße und rennt voigas eine in de Doris, de wos auf seina Dackn steht. Da Hauns zuckt schnö an Schriad zruck und schauts schmähstad au. In ihra Haund wor a papierans Kerndlsackl, wira Zementsock so groß, aus dem si de Kerndln jetzt laungsaum üwa de Dackn vastran. Ihre Augn woan kuaz gaunz groß und ziagn si jetz frogad zaum.

„Mia hot wea an Stah auns Fensta gschossn“, erklärt ea.

„Klingl host jo kane“, auntwort sie, schaut auf de Kerndln owe, daun eam wida ins Gsicht.

Ea steigt vo am Fuaß aufn aundan und frogt: „Epa gestan a?“

„Gestan host a scho kane ghobt! I hob da glei nochm auslodn a Sackl gricht.“

Er foat si duach d‘Hoa und mant, dass a si‘s scho ausm Gschäft hertrogtn hätt.

De Doris presst schuitazucknd d‘Lippn zaum und wippt dabei gaunz leicht mit de Fiaß. „Waßt eh, d Mama…“, faungts au ins aklärn, während da Hauns an kaum merkboan Schriat fiare taumet - und mit am „…muaß net imma glei ois wissen?“, vavoiständigt ea ian Sotz.


Veröffentlicht in der Ausgabe 58 der Literaturzeitschrift DUM – Das Ultimative Magazin. Präsentiert u.a. beim 4. Pottensteiner Literatur- und Lyrikfestival.